Illustration von braunen He-Shou-Wu-Wurzelknollen mit einem grünen Trieb und herzförmigen Blättern, freigestellt.

He Shou Wu (Fo-Ti): traditionelle Verwendung, Forschung und Bio-Qualität

Eine Wurzel mit Geschichte: He Shou Wu verbindet chinesische Kräutertradition mit spannenden Forschungsfragen. Doch was steckt hinter dem Namen, welche Rolle spielt die Verarbeitung - und was zeigen Studien tatsächlich?

Wer sich mit chinesischer Kräuterkunde beschäftigt, begegnet früher oder später He Shou Wu. Besonders bekannt ist die Wurzel durch ihre Verbindung zu schwarzem Haar und einem langen Leben. Gerade diese Geschichte macht neugierig. Für eine fundierte Entscheidung lohnt sich jedoch ein genauer Blick: Überlieferung, Laborergebnisse und belegte Wirkungen beim Menschen sind unterschiedliche Dinge.

Was ist He Shou Wu?

He Shou Wu wird auch Fo-Ti genannt. Gemeint ist der Vielblütige Knöterich, in wissenschaftlichen Veröffentlichungen meist als Polygonum multiflorum bezeichnet. Auch die Namen Fallopia multiflora und Reynoutria multiflora sind gebräuchlich. Verwendet werden insbesondere die knollenartig verdickten Wurzeln. [1, 2]

Unter dem Namen Fo-Ti werden unterschiedliche Zubereitungen angeboten. Gemahlene Wurzel, traditionell aufbereitete Wurzel und konzentrierter Extrakt sind nicht dasselbe. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn du Produktbeschreibungen oder Studien miteinander vergleichst.

Die Geschichte vom Mann mit den schwarzen Haaren

He Shou Wu bedeutet sinngemäß „Herr He mit dem schwarzen Haar“. Eine chinesische Legende erzählt von einem älteren Mann, der durch die Wurzel zu jugendlicher Kraft und dunklem Haar zurückgefunden haben soll. Sie erklärt, warum He Shou Wu bis heute mit Vitalität und dem Älterwerden verbunden wird. Eine historische Erzählung ist allerdings kein medizinischer Nachweis. [3]

Die Geschichte lässt sich als Teil einer Pflanzenkultur lesen: Sie zeigt, welche Erwartungen Menschen früher mit einer Wurzel verbunden haben. Ob diese Erwartungen unter kontrollierten Bedingungen erfüllt werden, ist eine eigene wissenschaftliche Frage.

Wofür wird He Shou Wu in der TCM traditionell verwendet?

In der traditionellen chinesischen Medizin spielt vor allem die aufbereitete Wurzel eine Rolle als Tonikum. Das bedeutet in diesem Zusammenhang ein traditionelles Stärkungsmittel. Die folgenden Zuordnungen beschreiben das TCM-System, keine bestätigten Wirkungen eines Lebensmittels.

Leber, Nieren, Blut und Essenz

Die Hong Kong Polytechnic University ordnet die aufbereitete Wurzel den blutnährenden Mitteln zu. Traditionell soll sie Leber und Nieren nähren sowie Blut und „Essenz“ ergänzen. Auch Sehnen, Knochen und vorzeitiges Ergrauen werden in diesem Zusammenhang genannt. [4]

Begriffe wie „Blut nähren“ sind hier keine Aussage über einen nachgewiesenen Anstieg bestimmter Blutwerte. Ebenso darf die traditionelle Zuordnung zur Leber nicht als Empfehlung zur Behandlung einer Lebererkrankung verstanden werden. Bei He Shou Wu ist diese Unterscheidung besonders wichtig, weil Leberschäden nach der Einnahme dokumentiert sind. [2]

Haare und das Älterwerden

Die traditionelle Verwendung bei frühzeitig ergrauendem Haar erklärt den heutigen Bekanntheitsgrad der Pflanze. Sie gehört zu ihrem kulturellen Hintergrund. Daraus lässt sich jedoch weder ableiten, dass ein Wurzelpulver graue Haare zurückfärbt, noch dass es Haarausfall behandelt. Die Forschung zu Haarfollikeln untersucht bislang vor allem mögliche Mechanismen - mehr dazu weiter unten. [4, 5]

Rohe und aufbereitete Wurzel unterscheiden

Die TCM unterscheidet zwischen der unaufbereiteten Wurzel, häufig als Sheng He Shou Wu bezeichnet, und der aufbereiteten Form Zhi He Shou Wu. Bei der traditionellen Verarbeitung kommen unter anderem schwarze Bohnen beziehungsweise ein Bohnensud zum Einsatz. Die rohe Form wird historisch eher mit abführenden Anwendungen verbunden, die aufbereitete Form mit stärkenden. [1]

Verarbeitung ist also ein wesentlicher Teil der traditionellen Anwendung. „Fein gemahlen“ sagt lediglich etwas über die Form des Produkts aus. Daraus lässt sich nicht erkennen, ob die Wurzel zuvor nach einem bestimmten TCM-Verfahren behandelt wurde. Auch „Rohkostqualität“ beantwortet diese Frage nicht. Traditionelle Aufbereitung ist zudem keine Garantie für Unbedenklichkeit. [1, 2]

Welche Pflanzenstoffe interessieren die Forschung?

Untersucht werden unter anderem Stilbenglykoside und Anthrachinone. Ein häufig betrachteter Stoff ist Tetrahydroxystilbenglykosid, kurz TSG. Zu den untersuchten Anthrachinonen gehört Emodin. Die chemische Zusammensetzung kann sich durch die Verarbeitung verändern. [1]

Für das Lesen von Studien hilft eine einfache Frage: Wurde die ganze Wurzel, ein bestimmter Extrakt oder ein isolierter Stoff untersucht? Ein Ergebnis zu hochkonzentriertem TSG lässt sich nicht auf einen Teelöffel Wurzelpulver übertragen. Dafür müssten unter anderem Zusammensetzung, Aufnahme und Dosierung vergleichbar sein.

He Shou Wu und Haare: Was zeigt die Studie von 2020?

Shin und Kollegen untersuchten einen Polygonum-multiflorum-Extrakt an kultivierten menschlichen Haarpapillenzellen und isolierten menschlichen Haarfollikeln. Die Ergebnisse wurden 2020 in BMC Complementary Medicine and Therapies veröffentlicht. [5]

Der Extrakt beeinflusste in diesen Modellen unter anderem wachstumsbezogene Signale. In der Haarfollikelkultur blieb die Wachstumsphase länger erhalten. Das ist ein interessanter Ansatz für weitere Forschung zur Haarbiologie.

Es war jedoch keine Einnahmestudie mit Menschen. Untersucht wurde weder die tägliche Verwendung eines handelsüblichen Pulvers noch eine Veränderung der Haarfarbe bei Verbrauchern. Die Arbeit belegt deshalb nicht, dass He Shou Wu als Lebensmittel Haare wachsen lässt oder graues Haar rückgängig macht.

Alterungsforschung: Was wurde mit TSG untersucht?

Eine 2024 veröffentlichte Originalarbeit untersuchte TSG in Mausmodellen, darunter natürlich gealterte Tiere. Im Mittelpunkt standen blutbildende Stammzellen. Die Forschenden beobachteten Veränderungen ihrer Funktion und untersuchten daran beteiligte Signalwege, insbesondere AMPK und Tet2. [6]

Die Ergebnisse sind für die Entwicklung neuer Forschungsansätze interessant. Sie sind kein Nachweis einer Verjüngung beim Menschen. Untersucht wurde ein definierter Einzelstoff unter experimentellen Bedingungen, nicht das PureRaw-Pulver. Eine Aussage wie „verlangsamt dein Altern“ wäre durch diese Arbeit nicht gedeckt.

Studien auf einen Blick

Forschungsarbeit Untersuchtes Modell Aussage und Grenze
Shin et al., 2020 [5] Menschliche Zellen und isolierte Haarfollikel im Labor; Pflanzenextrakt Hinweise auf Mechanismen des Haarwachstums; kein Nachweis für die Einnahme von Pulver
TSG-Originalarbeit, 2024 [6] Mausmodelle; isolierter Pflanzenstoff Ergebnisse zu gealterten blutbildenden Stammzellen; keine belegte Anti-Aging-Wirkung beim Menschen
Li et al., 2019 [7] Klinische Untersuchungen einschließlich einer prospektiven Gruppe von 72 Personen Hinweise auf genetische Anfälligkeit für Leberschäden; keine Wirksamkeitsstudie

Eine gute Quelle nennt nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Grenzen. So kannst du unterscheiden, ob eine Aussage auf Tradition, Grundlagenforschung oder klinischen Daten beruht.


Sicherheit: Warum das Leberrisiko dazugehört

Für He Shou Wu sind Leberschäden nach der Einnahme größerer Mengen beschrieben, darunter schwere Verläufe. Darauf weisen sowohl die medizinische Datenbank LiverTox als auch die australische Arzneimittelbehörde TGA hin. Das Risiko lässt sich nicht durch Hinweise auf Natürlichkeit, Bio-Anbau oder lange Verwendungsgeschichte ausschließen. [2, 8] Daher ist es wichtig sich an die empfohlene Einnahmemengen zu halten. Hier gilt, wie bei Vielem, "die Dosis macht das Gift".

Eine klinische Arbeit von Li und Kollegen untersuchte eine genetische Anfälligkeit. In einer prospektiven Gruppe von 72 Personen zeigten sechs nach vierwöchiger Anwendung erhöhte Leberenzymwerte. Bestimmte genetische Merkmale waren mit einem höheren Risiko verbunden. Diese Zahlen beschreiben die untersuchte Gruppe und sind keine allgemeine Risikoprognose für alle Produkte oder Anwender. [7]

Im Zweifel besprich eine geplante Einnahme vorher ärztlich, insbesondere bei Erkrankungen oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern ist von einer eigenständigen Anwendung abzuraten. Bei gelber Haut oder gelben Augen, dunklem Urin, ungewöhnlicher Müdigkeit, Übelkeit oder Bauchschmerzen: Einnahme beenden und umgehend medizinisch abklären lassen. [8, 9]



Was zeichnet das He Shou Wu Pulver von PureRaw aus?

Bei der Produktauswahl zählen konkrete, nachvollziehbare Angaben. Unser He Shou Wu Pulver bietet:

  • 100 % gemahlene Fo-Ti-Wurzel: eine übersichtliche Zutatenliste.
  • Kontrolliert biologischen Anbau: klar ausgewiesene Bio-Qualität.
  • Keine Zusatzstoffe: ein reines Wurzelpulver.
  • Feine Vermahlung: eine Pulverform mit intensiv-würzigem Aroma. [10]

Diese Eigenschaften beschreiben das Produkt. Sie sind weder ein Wirksamkeitsnachweis noch eine Garantie für gesundheitliche Unbedenklichkeit. Die Studien in diesem Artikel beziehen sich nicht auf das PureRaw-Produkt.

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Häufige Fragen

Sind Fo-Ti und He Shou Wu dasselbe?

Beide Namen werden für dieselbe Pflanzenart verwendet. Beim Kauf bleibt dennoch wichtig, welche Pflanzenteile und welche Zubereitung gemeint sind. [1, 2]

Kann He Shou Wu graue Haare wieder dunkel machen?

Die traditionelle Verbindung zu dunklem Haar ist bekannt. Die hier vorgestellten Studien belegen aber keine Rückfärbung grauer Haare durch die Einnahme von He Shou Wu Pulver. [4, 5]

Ist ein Extrakt mit Wurzelpulver vergleichbar?

Nicht ohne Weiteres. Ein Extrakt kann bestimmte Bestandteile anreichern. Ergebnisse einer Untersuchung gelten zunächst für die dort verwendete Zubereitung und die jeweiligen Versuchsbedingungen.

Ist Bio-He-Shou-Wu automatisch unbedenklich?

Nein. Bio beschreibt die Anbauweise. Die Pflanze selbst enthält biologisch aktive Stoffe; dokumentierte Risiken verschwinden nicht durch Bio-Anbau. [2, 10]



Quellen

  1. Qian et al. (2024). Phytochemistry, pharmacology, toxicology and detoxification of Polygonum multiflorum Thunb.: a comprehensive review. Überblick zu Tradition, Verarbeitung und Inhaltsstoffen, keine eigene klinische Wirksamkeitsprüfung. DOI: 10.3389/fphar.2024.1427019
  2. NIH/NIDDK, LiverTox. Polygonum Multiflorum. Medizinische Einordnung und dokumentierte Leberschäden
  3. Shah, J. (2009), in Herbal Drugs: Ethnomedicine to Modern Medicine, Abschnitt 5.2.4 „Fo-Ti“, Seite 70. Dort wird die Volkslegende von Herrn He und seinem wieder dunkel gewordenen Haar beschrieben.
  4. Hong Kong Polytechnic University. Prepared Fleeceflower Root. Traditionelle Zuordnung der aufbereiteten Wurzel und Hinweise auf unerwünschte Wirkungen. Pflanzenmonografie
  5. Shin et al. (2020). Polygonum multiflorum extract support hair growth by elongating anagen phase and abrogating the effect of androgen in cultured human dermal papilla cells. BMC Complementary Medicine and Therapies, 20, 144. DOI: 10.1186/s12906-020-02940-5
  6. Tetrahydroxy stilbene glucoside rejuvenates aging hematopoietic stem cells with predilection for lymphoid differentiation via AMPK and Tet2 (2024). Originalarbeit an Mausmodellen. PubMed: 38704089
  7. Li et al. (2019). HLA-B35:01 Allele Is a Potential Biomarker for Predicting Polygonum multiflorum-Induced Liver Injury in Humans*. Hepatology, 70(1), 346–357. DOI: 10.1002/hep.30660
  8. Therapeutic Goods Administration (2019). Fallopia multiflora (he shou wu). Sicherheitsinformation
  9. Chinese Medicine Council of Hong Kong. Guidelines on package inserts of proprietary Chinese medicines, Hinweise zu Radix Polygoni Multiflori. Leitlinie
  10. PureRaw. He Shou Wu Pulver (Bio), Produktangaben
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